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Kleine Atempause

Impulse für jede Woche der Fastenzeit
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Asche … verbrannt und gewandelt

Die Palmzweige von Ostern werden verbrannt und die verbleibende Asche wird am Aschermittwoch verwendet. Im Feuer gereinigt und verwandelt, erinnert die Asche mich an meine Endlichkeit und gleichzeitig an die Auferstehung. Als Zeichen auf meiner Stirn zeigt sie, dass ich mir meiner Begrenzung bewusst bin. Ich bin zerbrechlich, verletzlich, mir sind im Leben Grenzen gesetzt. Manchmal scheitere ich auch an meinen oder deinen Grenzen.

Am Beginn der Fastenzeit vergegenwärtige ich mir, dass ich selbst Teil der Vergänglichkeit bin. Vieles in meinem Leben liegt schon hinter mir. Manches ist mir verloren gegangen, anderes habe ich bereits „überlebt“, bin darüber hinausgewachsen. Einiges aber liegt noch vor mir und in mir — unangetastet, unverwandelt, übersehen oder nicht gewürdigt. Die Zeit vor mir will mir den göttlichen Glanz wieder verleihen und mir in Erinnerung rufen, dass ich gesalbt und gesegnet bin.

Nach Angelika Gassner

© CF

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Glauben,

am Aschermittwoch haben wir in Herz-Jesu, hier in unserer Kirche, nicht nur die Asche, sondern auch das Feuer gesegnet. Dieser Segen – eigentlich für das Feuer an Heiligenfesten gedacht – passt sehr gut in die Fastenzeit. Im Folgenden möchte ich mit Ihnen diesen Text betrachten:

„Heiliger Gott, in der leuchtenden Feuersäule bist du dem Volk des Alten Bundes auf seinem Weg in die Freiheit vorausgezogen; in Feuerzungen hast du über das Volk des Neuen Bundes den Heiligen Geist gesandt. Segne …“

Besonders der erste Teil dieses Gebetes nimmt ein starkes Motiv auf: Der Auszug des Volkes aus Ägypten, dem Land ihrer Sklaverei, hin in das versprochene Land. Das Volk Israel kehrt unter dem Beistand Gottes der Sklaverei den Rücken, die Sklaventreiber, die Sünde selbst, stirbt in den Fluten des Meeres. Dieses Bild dieser Erzählung wurde und wird von der Kirche als ein Vorausbild der Taufe gedeutet. Indem der Mensch durch das Bad der Taufe schreitet, stirbt die Sünde und er ist frei von der Macht des Bösen, von den Fesseln der Sklaverei.

Doch wie auch das Volk Gottes immer wieder zurückblickt und sich in den Mühsalen der Wüstenwanderung nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“ sehnt, so fällt auch der Mensch immer wieder in alte Gewohnheiten und neue Sklavereien zurück. Der 40 Jahre dauernde Gang durch die Wüste ist hierfür ein Zeichen und eine Mahnung.

Die Fastenzeit mag uns deshalb mit ihren 40 Tagen als Zeit der Prüfung dienen: Wo bin ich in Sklavereien gefangen, welche Gewohnheiten halten mich von dem ab, was ich eigentlich will. Hiermit ist nicht der Griff in die Süßigkeitenschachtel gemeint oder das zweite Stück Kuchen. Vielmehr geht es um unser Innerstes, um unser Menschsein! Das Feuer der Säule war sicher nicht nur angenehm warm, sondern wie ein wacher Blick auch schmerzhaft und gleichzeitig reinigend. Es schaut gütig und bestimmt in die dunklen Ecken unseres Herzens, in jene Ecken, die wir vor anderen verbergen, vielleicht sogar vor uns selbst.

Doch am Ende dieser Wüstenerfahrung steht eine Verheißung: Das gelobte Land! Für uns als Christen besteht dieses nicht mehr in einem irdischen Gebiet; unser Erbland ist der Himmel, ist die ewige Gemeinschaft mit Gott. Diese bricht hier an, in seiner Kirche. Dafür stehen die Feuerzungen, die auf die ersten Jünger herabkamen, die das babylonische Sprachenchaos beendet und allen Menschen guten Willens Verständnis für einander geschenkt haben.

Mögen diese beiden Feuer unseren Weg bestimmen, damit unsere Herzen rein und vom Heiligen Geist erfüllt werden, wie es im Feuersegen heißt:

„Entzünde in unseren Herzen das Feuer deiner Liebe, damit wir in einer Welt voll Haß und Zwietracht von dir Zeugnis geben. Dir sei Ehre und Lobpreis in alle Ewigkeit. Amen.“

Ihr
Lucas Weiss, Diakon

 

Fastenzeit – eine Reise in die Wüste

Liebe Leserinnen und Leser,

In dem bekannten Karnevalslied von Jupp Schmitz heißt es: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Mit dem Aschermittwoch ist zwar Karneval vorbei und es hat die Fastenzeit begonnen. Soll es aber bedeuten, dass wir nun in dieser besonderen Zeit auf die Lebensfreude verzichten müssen?

Ein Programm für die Fastenzeit haben wir im Evangelium des Aschermittwochs gehört. (Mt 6,1-6.16-18) Dort hieß es unter anderem: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht“. (Mt 6,16) Die Fastenzeit ist keine Zeit der Traurigkeit und der Finsternis. Vielmehr ist sie eine Zeit der Besinnung. Damit ist sie eine Chance und ein Geschenk für uns, eine Chance auf unser Leben mal anders zu schauen. Sich besinnen beinhaltet die Frage nach Sinn – nach dem Sinn des Lebens. Der Druck und das Tempo des Alltags sind heutzutage so hoch, dass manche Menschen das Ziel ihres Lebens aus den Augen verlieren und nicht mehr wissen, wohin sie so rennen. Nur auf den Terminkalender zu schauen und eine Aufgabe nach der Anderen zu bewältigen ist ein Syndrom der modernen Kurzsichtigkeit. Es tut uns Menschen gut immer wieder über die Berge der Arbeit hinaus zu sehen. Es tut uns gut aus dem Schnellzug des Alltags auszusteigen und sich nach den wichtigsten Dingen zu fragen: Was ist der Sinn meines Lebens? Entspricht das, was ich tue diesem Sinn? Bin ich auf dem richtigen Kurs oder brauche ich eine Korrektur? Das ist die Besinnung, zu der uns die Fastenzeit einladen will.

Ein Sinnbild für die Fastenzeit bietet uns das Evangelium des ersten Fastensonntags. Der Evangelist Markus erzählt mit knappen Worten von den vierzig Tagen Jesu in der Wüste. (Mk 1,12-15) In der Wüste gibt es nicht viel. Aber gerade das macht sie so schön. Sie lässt weit, bis zum Horizont, schauen und sie lässt das hören, was man in der lauten Stadt nicht so einfach hören kann. Denn in der Stille der Wüste kann man die innere Stimme wahrnehmen, die Stimme Gottes in uns. An dem Ort, wo uns nichts ablenkt, wo es „nichts gibt“ finden wir das Wichtigste – Gott. Er kennt die Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens, weil er uns das Leben geschenkt hat. Durch die Menschwerdung seines Sohnes hat er uns diese Antwort mitgeteilt. Sie feiern wir an Ostern – die Auferstehung vom Tod zum Leben, zum ewigen Leben in Fülle.

Damit die Botschaft der Freude auch uns persönlich erreichen kann, brauchen wir eine Erfahrung der Wüste, einen Ort und eine Zeit der Besinnung und der Begegnung mit Gott.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen und mir für die Fastenzeit.

Ihr Pfarrer Wojciech Kaszczyc

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